Eine „Lie­der­ma­che­rei“ im Fische­rei­mu­se­um
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Die Flitsch mit jeder Men­ge Krätz­jer

JP Weber mit stim­mungs­vol­lem Auf­tritt im Fische­rei-Muse­um „Der spielt die Flitsch wie ich — nur bes­ser“ soll der gro­ße Hans Süper gesagt und ihn auch des­halb als sei­nen legi­ti­men Nach­fol­ger bezeich­net haben. Die Flitsch ist der köl­sche Aus­druck für eine Man­do­li­ne, und die Flitsch wird auch Jörg Paul Weber – bes­ser bekannt als JP Weber — in der Köl­ner Musik­sze­ne genannt. War­um, wird einem schnell klar, wenn man den 42-jäh­ri­gen Musi­ker in einem Kon­zert erlebt.

Es kommt einem vor, als sei­en er und sein Instru­ment, das gar nicht wie eine typi­sche Man­do­li­ne aus­sieht, son­dern eher wie eine klei­ne E‑Gitarre, gera­de­zu mit­ein­an­der ver­wach­sen. Das Publi­kum im Fische­rei­mu­se­um in Trois­dorf-Berg­heim, wo der köl­sche Lie­der­ma­cher jetzt mit Andre­as Stein­mey­er am Kon­tra­bass gas­tier­te, zieht er damit direkt in sei­nen Bann. Schon nach den ers­ten Tönen stim­men die meis­ten ein, um zusam­men mit dem Duo all die Lie­der zu sin­gen, „die m‘r vun Kind­heit an schon kennt“.

Es fol­gen jede Men­ge Krätz­jer, wie der Köl­ner das humor­vol­le Besin­gen aller­lei erzäh­lens­wer­ter all­täg­li­cher und weni­ger all­täg­li­cher Ereig­nis­se nennt. Es geht um die vom Trom­pe­ter der Feu­er­wehr geraub­te Unschuld genau­so wie um die Brat­wurst, für die man sein letz­tes Geld her­gibt, oder den letz­ten Wagen, der immer ein Kom­bi ist, „janz jlich wat do em Lev­ve jewä­se bes“.

Weber ist nicht nur stu­dier­ter Jazz-Musi­ker und Kom­po­nist, son­dern auch durch und durch Enter­tai­ner. Er steht nicht allein auf der Büh­ne, son­dern spielt mit sei­nem Publi­kum. Die Art und Wei­se wie er Geschich­ten erzählt und singt, Mimik und Ges­tik, wie er mit sei­nem aus­ge­zeich­ne­ten Kon­tra­bas­sis­ten in Inter­ak­ti­on tritt – all das lässt tat­säch­lich an den eins­ti­gen Star vom Colo­nia Duett erin­nern. Und doch bleibt Weber, der schon seit sei­nem zehn­ten Lebens­jahr auf der Büh­ne steht, dabei er selbst. Greift neben der Flitsch auch zur Gitar­re, um zwi­schen­drin ein biss­chen abzu­ro­cken, lässt bei Blues-Stü­cken die beein­dru­cken­de Gewal­tig­keit sei­ner Stim­me durch­kom­men und zeigt wie groß sein musi­ka­li­sches Reper­toire ist.

Im bunt gemisch­ten Pro­gramm feh­len aber natür­lich auch die Klas­si­ker wie „Ich bin ene köl­sche Jung“ nicht. Und dass der sich durch und durch kölsch füh­len­de Weber tat­säch­lich in Bad Godes­berg gebo­ren ist, macht dabei auch nichts. Am Ende ist die gute Lau­ne auch beim letz­ten Zuschau­er ange­kom­men und singt der gan­ze Saal. Mit viel Applaus dankt das Publi­kum dem bes­tens auf­ein­an­der abge­stimm­ten Duo für die­ses beson­de­re Kon­zert­er­leb­nis.

(Text: Isa­bel Graut­stück, Foto: Dirk Ort­mann)

Es grü­ßen aus dem Muse­um

Dr. Petra Reck­lies-Dah­l­mann / Karen Lerch
(Muse­ums­lei­tung / Assis­tenz)